Frühling 2020 - AUSSTELLUNG in Wien

Erste Detailansichten von meinen Gemälden - eine 5-teilige Serie zum Thema "Frauenbild". 

Beschreibung zu meinen Gemälden:

 

 

Format:

210x150cm - ich wähle das Format deshalb so groß, um die Schwachen/Kleinen größer zu machen, ihre Stimme gewichtiger. Diese Frau soll unübersehbar sein.

 

Material:

Naturbelassenes Leinen 

Ich mag Leinen, es ist ursprünglich, echt und erdig. So wie wir Frauen.

Es ist nicht perfekt gespannt, wie auf einem Keilrahmen aufgezogen – es ist unförmig, verzieht sich, zeigt Spuren vom Malen, hat Makel – und wird so lebendig. Wie diese Frauen, die für meine Bilder Vorbild sind. Der Stoff ist nicht glatt und unpersönlich perfekt – alles hat Charakter. 

Ich als Künstlerin sage damit: „Du bist einzigartig und schön - so, wie du bist, egal wie du aussiehst, egal was du tust – solange du glücklich bist!“

 

Gold:

Gold ist wegen seines Sonnenglanzes schon seit frühesten Zeiten das Material der Götter, Kaiser und Könige. Was könnte nicht besser zu uns Frauen passen?

In meinen Bildern ist das warme Gold die Farbe der starken Frau. Mit dieser Farbe in Form von Blattgold möchte ich die Besonderheit zeigen. 

 

Rot:

Rot ist meine ausdrucksstärkste Farbe, die die Stärke der Frau symbolisiert.

 

Technik:

Ich habe den Körper mit Kugelschreiber vorskizziert. Unwiderruflich. Mit Acrylfarbe und Blattgold vereint.

 

Striche / Schrift:

Diese Schriftzeichen symbolisieren den Text. Dieser steht für immer wieder kehrende Verteidigungen, Gespräche, Erklärungen gegen gut gemeinte Ratschläge. Auch Anklage.

 


Wie meine Bilder entstehen

Wenn ich ein Bild male, habe ich es bereits seit Wochen im Kopf. Ich wache nachts auf und male in Gedanken… ich sehe fern und male. Ich gehe einkaufen und es entstehen bunte Bilder in meinem Kopf. Das ist herrlich!

In meinen Gedanken entsteht so mein Kunstwerk, Schritt für Schritt.

Ich fühle bereits das Leinen und rieche die Farben. Ich freue mich darauf es real werden zu lassen, zögere diesen Prozess immer ein wenig hinaus, denn diese Vorfreude ist immer ein besonderes Erlebnis – es gibt keine Grenzen!

 

Dann ist es soweit. 

Ich bin gut darin, alles fürs Malen vorzubereiten. Es ist alles durchdacht und wird routiniert ausgeführt: Das Leinen abmessen und zuschneiden. Achtsam am Boden aufbereiten, exakt den Bodendielen entlang. Parallel natürlich. Nichts darf dem Zufall überlassen werden. Dafür ist es mir zu wichtig! Ich entferne sorgsam jedes noch so kleine Fussel und streiche den Stoff glatt. Die Farbtuben farbig sortiert nebeneinander aufgereiht. Frisches, sauberes Wasser einfüllen – nicht zu viel und nicht zu wenig. Passt es nicht, gieße ich damit die Pflanzen. Das geht manchmal einige male so. Und die Pinsel lege ich exakt nebeneinander auf ein Küchentuch, natürlich der Größe nach. Und mein Maltuch, das mich schon viele Jahre begleitet, es saugt kaum noch Flüssigkeit auf, hat also seine Wirksamkeit längst verloren - doch ich mag es einfach - lege ich sorgsam gefaltet bereit.

 

Und so beginnt es. Ich stehe nun vor diesem unschuldigen unbefleckten Leinen und habe Ehrfurcht. Dieses Gefühl kann sich über Stunden hinauszögern. Ich gehe auf jede Seite, ändere den Blickwinkel, betrachte das Weiß, schließe die Augen und sehe mein Bild im Kopf. Ich spüre es, lächle und freue mich. Es darf jetzt beginnen.

Doch dann öffne ich die Augen und beginne zu zweifeln. Es ist immer das gleiche:

Erst jetzt merke ich, dass mich diese von mir selbst erschaffene perfekte Ordnung meiner Farben und Pinsel blockiert. Diese unschuldige Reinheit des Leinenstoffes. Die parallel liegenden Pinsel. Alles muss korrekt sein. Dieser penible Perfektionismus. Alles muss. Ich darf nicht denken! Das ist schrecklich und behindert meine Kreativität. Ich muss raus und diese Gedanken loslassen.

 

Ich wandere rastlos umher, werde langsam ruhiger, atme und fühle. Und so beginne ich nach und nach Chaos in mein Umfeld zu bringen. Gutes Chaos. Ich liebe dieses Chaos, meine unvernünftige Unordnung - es befreit mich. Jetzt bin ich. Jetzt kann ich malen.

 

Jetzt liegen Farben, Pinsel, ja sogar Möbel kreuz und quer, ich muss über dieses und jenes steigen, um frisches Wasser zu holen, ich suche immer wieder nach Farben, weil mein Chaos diese verschluckt – ist das nicht herrlich? Ja. Nur mein Kunstwerk zählt. 

Die Zeit ist unwichtig. Es ist egal, ob es Tag oder Nacht ist. Ich bin voller Farbe, vergesse zu essen und verschmelze mit meinem Kunstwerk. Es ist egal, dass mein Chaos tagelang stehen bleibt. Alles rundherum ist egal. Nur mein Kunstwerk zählt. Einsam, aber Grenzenlos.

 

Es beginnt. Ich male. Euphorie. Ich liebe das Malen, mein Ausdruck des Seins! Ich liebe mich.

Beim Malen entsteht eine Melodie… jeder Farbton klingt in meinem Inneren. So entsteht eine Gesamtkomposition aus Farbe und Musik. So träume ich malend dahin.

Darum höre ich nie Musik, wenn ich male. Denn ich habe die Melodie bereits im Kopf. Meine Melodie. Die einzigartige Melodie dieses Bild.

 

Dann kommt es, die kritische Phase: 

Es ist beinahe fertig. Doch dann, und dieser Moment kommt immer – zweifle ich plötzlich. Ich weiß nicht warum. Ich kann es nicht mehr sehen, was ich geschaffen habe und beginne klug zu denken. Ich denke, ich könnte doch dies oder das, oder doch lieber, oder wenn ich vielleicht, und dann muss ich…

Ich hasse diese Phase und bin kurz davor alles zu entsorgen. Bin höchst deprimiert. Beginne an mir zu zweifeln. An allem zu zweifeln. Bin müde und hungrig. Ich sitze da und mir ist kalt. Ich betrachte mein Bild. Lange. Ich fühle mich einsam, niemand kann mir jetzt helfen.

Obwohl ich übermüdet bin, kann…  darf ich nicht schlafen - nicht jetzt. Ich kann mein Kunstwerk nicht alleine lassen. Nicht in dieser Phase. Was, wenn ich im Schlaf sterbe und jemand sieht dieses unvollendete Bild? Mein zuvor geliebtes Chaos wird bedrohlich größer. Ich denke und denke.

 

Und wüsste ich nicht, dass das immer so kommt, wenn ich male, würde ich jetzt aufgeben. Mich alleine mit Kuchen, Schokolade und Wein in den Schlaf weinen. Mich erbärmlich selbst bemitleidend.

Doch – zum Glück - ich weiß es, ich weiß, dass nur eine Nuance fehlt. Ein oder zwei Pinselstriche, ein anderer Farbton – irgendetwas, dass das Bild zu Meinem werden lässt. Lebendig werden lässt. Etwas, das so klein sein kann, dass es vermutlich niemand außer mir bemerkt. 

 

Ich lege mich hin und schließe die Augen, entferne mich von allem. Zeitlos. 

Und da geschieht es, es ist plötzlich da! Wie hypnotisiert tu ich es, ich male. Ich tu es von ganz alleine, ohne zu denken. Dieser Prozess kann drei Minuten oder Tage dauern. Dieser letzte Schritt vollendet das, was ich mir erfühlt habe.

Und dann weiß ich es. Es ist fertig. Und ich liebe es. Denn jetzt ist es nicht so, wie ich es mir im Kopf ausgemalt habe, nein, jetzt ist es lebendig und spricht.

 

Es dauert sehr lange, bis ich mein geliebtes Chaos wieder weggeräumt habe. Alles schön ordentlich verstaut. Die Farben weggewischt und das wunderbar bunte Wasser entleert, ich sehe ihm nach, wie es langsam kräuselnd im Abfluss verschwindet. Das macht mich ein wenig traurig. Es kommt mir fast sträflich vor, diese wunderbaren Zeichen/Zeugen dieser Geburt zu entfernen. Diesen Teil des Malens mag ich überhaupt nicht, denn es zeigt, dass es aus ist. Dass ich jetzt wieder „ordentlich“ denken muss…

 

Die Welt hat mich wieder, und mein Bild hängt jetzt an einer schönen weißen Wand in sauberer geordneter Umgebung. Ich muss mich erst daran gewöhnen, es so zu sehen – ohne mein geschätztes Chaos, dass es einst liebevoll schützte. Wir fremdeln ein wenig. Bald gehört es allen die es sehen. Es ist dann nicht mehr „mein“ Bild – es ist dann „unseres“, denn meine Begabung gehört nicht mir allein. 

 

Jetzt darf es jemand sehen. Jemand, der um meinen Prozess weiß. Jemand, der mich versteht und fühlen kann, wie es mir ergangen ist. Jemand, der um die künstlerische Einsamkeit weiß. Jemand, der mir den Schrecken der Größe nahm, mich inspiriert und an mich glaubt. Es ist ein gutes Gefühl, etwas Besonderes geschaffen zu haben. Etwas, dass Menschen berührt.


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