AUSSTELLUNG  ***StarkeFRAUEN***


***Starke FRAUEN*** - Ausstellung in Oberösterreich


Befragung „Gibt es DAS Frauenbild?“  von Doris Maria Weigl & Mag. Petra Postl 

 

Diese Befragung diente als Grundlage für die Kunstwerke und Projekte der Ausstellung ***StarkeFRAUEN*** in Oberösterreich/St. Martin vom 01.10.2021 bis 07.01.2022 

 

·     Studie Q1 2020

·     122 TeilnehmerInnen

·     101 Fragebögen abgeschlossen und mit SurveyMonkey ausgewertet

·     15 persönliche Befragungen am Erste Campus Wien. Vielen Dank an Regina Baumgartner, dass Sie dies ermöglicht haben!

 

Zur Auswertung Studie "Frauenbild" zur Ausstellung


„Nur einen Kopf zu malen wäre arrogant. Es ist die Seele, die ich in einem Portrait einzufangen versuche.“

„Das ist so gut, dass man nicht merkt, dass es von einer Frau gemalt wurde.“

Hans Hofmann zu seiner Schülerin Lee Krasner - das wohl beschissenste  Kompliment der Kunstgeschichte.

 

 

 

Ich male Frauen. Starke Frauen.

Frauen mit Narben, Falten, Charakteren.

Frauen, die es nicht notwendig haben, beurteilt zu werden.

Vor meiner Leinwand werden sie allesamt nackt, transparent, verletzlich. 

Ich bewundere jede Einzelne für ihre Stärke und ihren Mut.

In einer Gesellschaft, die nach Perfektion giert und schnell aufs Äußere reduziert, forsche ich nach Werten.

 

 

Von den 77 teuersten Gemälden aller Zeiten, die allesamt um mehr als 50 Millionen US Dollar verkauft wurden, zeigen knapp die Hälfte Abbildungen von Frauen.

Kein einziges dieser Gemälde aber wurde von einer Frau geschaffen.

 

Der Jahrtausende alte Anachronismus, nach dem Frauen ob ihrer Schönheit zwar Modell oder Muse sein können, man zum anerkannten Führen eines Pinsels scheinbar aber Mann sein soll, kotzt mich an.


Wenn man sich so wie ich auf eine Ausstellung vorbereitet und recherchiert, kommen schon einige ganz interessante Dinge zutage. 

Große Männer kommen öfter. Männer haben entweder öfter Großartiges geleistet oder sich besser verkauft? Oder öfter die Möglichkeit dazu bekommen? Oder weniger Zeit für die Familie verbracht? Oder offensiver damit nach Außen gegangen? Oder prioritärer von den Medien behandelt? Wahrscheinlich von allem ein bisschen.

Männer sind interessanter. Auch das bereitet mir als Frau Anfang 50 beinahe körperliche Schmerzen. Ich ertappe mich dabei, dass ich älteren Männern beim Malen mehr Interesse widme. Male ich sie „schöner“? Endet die Grazie, die Ausstrahlung einer Frau mit ihrer Jugend? Und wer verdammt hat uns das eingetrichtert?

  

Mich faszinieren Menschen. Naja, die meisten zumindest... Ich liebe es, sie zu beobachten, mir deren Geschichte auszumalen… mich zu fragen, warum tun sie dieses und jenes, warum sind sie das geworden, was sie jetzt sind? Wer waren sie davor? Warum reagieren sie so, wer steckt hinter der Fassade, dieser Maske? In meinen Bildern möchte ich reale Menschen zeigen, mehr als „nur“ ein schönes Gesicht, von deren Leben erzählen. 

 

Mit dieser ersten Ausstellung in meiner neuen Heimat möchte ich ganz besonders Frauen eine Stimme geben. Jenen, die übersehen werden, die in ihrer kleinen Welt jeden Tag aufs Neue Stärke und Mut beweisen. Ich möchte mit meinen Farben zeigen was sie zu sagen haben, wer sie eigentlich sind, wofür sie stehen, wovor sie Angst haben und was sie bewegt. 

Ich möchte mit meiner Kunst etwas bewirken, etwas auslösen. Sei es durch ein Lächeln oder Entsetzen, ungeschönt und ehrlich. Hauptsache man „fühlt“. Echt. 

 

Manche meiner Bilder zeigen einen starken Einfluss von meiner Arbeit als Illustratorin. Ich male nicht nur, es sind nicht nur die Pinselstriche, die ein Werk ausmachen. Es ist ein Gesamtes aus Stiften, Draht, Buchseiten, Blattgold, Blut oder Asche… einfach alles, was mich gerade inspiriert. Ich liebe diese Freiheit in meiner Welt der Kunst. Einfach eintauchen.

Während diesem „Komponieren“ verschiedenster Materialien verschmelze ich mit meinem Werk. Ich schlüpfe in die Rolle des Protagonisten. Bin nicht mehr ich selbst. Ich höre nichts mehr um mich, verliere Zeit und Raum. Ich werde ein wenig ver-rückt. Gebe einen Teil von mir. Bis es zu Ende geht, dieses eine Projekt. Ernüchternd öffne ich wieder die Augen und bin in der realen Welt. Und mir ist kalt. Es dauert ein wenig, bis ich wieder ich bin… wieder lachen kann und das Leben mich wärmt. 

 

Es geschieht den ganzen Tag mit mir. Eigentlich kann ich gar nicht anders. Ich male auch in Gedanken. Immer. Während ich daheim still sitze, aufgeregt durch das Haus von Freunden gehe, neugierig einen neuen Laden betrete oder im Wald spaziere. Meine Finger werden unruhig. Sie werden aktiv. Sie formen, was in meiner Gedankenwelt entsteht. 

Und täglich wächst die Galerie. Weil meine Hände nicht ruhen können.

 

Ich frage mich manchmal, warum ich? Warum habe gerade ich diese Begabung zum Zeichnen und Malen? Was ist mein „Auftrag“? Jeder Mensch hat eine bestimmte Begabung, leider oft in jungen Jahren abtrainiert.

Es ist ein Geschenk. Mein Geschenk. Und ich schätze es wert. Darum werde ich mit meiner Kunst die Welt verändern. Ein Lächeln oder Entsetzen auslösen. Frauen stärken. 

Und das ist erst der Beginn. Es gibt noch viel zu tun! StarkeFRAUEN. 


„Wenn ich beim Malen in mein Bild eintauche, kann ich alles sein. Dann höre ich den Klang jeder einzelnen Farbe und wandle am schmalen Grat zwischen Vollendung und Verzweiflung.“


***FEMISSAGE***  -  begleitend zur Ausstellung ***StarkeFRAUEN*** am 15.10.2021 im VOI/St. Martin –

Frauen malen sich frei 

 

 

Die Aufregung war spürbar!

Schon im Vorfeld hatte ich einige interessante Gespräche mit Frauen, oft hörte ich, „ich kann aber nicht malen“. Und immer wieder kam gleich darauf, „aber ich mache es so gerne, es entspannt, es erfüllt mich“. Ich habe einige sehr persönliche Geschichten gehört. Am meisten bewegt hat mich, dass gleich mehrere der Frauen in der Schule von ihren Lehrern bloßgestellt worden waren. „Schaut euch den Schund an, den sie gemalt hat!“ 

Wie soll da Hingabe, wie soll da Liebe zur Kunst entstehen?

 

Und dann war‘s endlich soweit! 

Gemeinsam mit anderen Kunstinteressierten zu malen ist für mich immer ein ganz besonderes Erlebnis. Es ist unglaublich prickelnd und spannend, manche der Frauen sind bereits erfahren, andere malen überhaupt ihr erstes Bild in ihrem Erwachsenenleben. 

 

Zuerst hantieren sie meist etwas zaghaft, beinahe scheu mit Pinsel und Farben. 

Deshalb habe ich die Teilnehmerinnen bei unserer Femissage am Anfang zu einer gemeinsamen Meditation eingeladen, bei der sie einen ganz besonderen Moment in ihrem Leben, einen friedvollen Ort, ja, ihre persönliche Freiheit erspüren. Diesen Stimmungen haben wir dann Farben gewidmet. Und genau diese Farben, diese Gefühle haben die Damen dann auf die Leinwand gebracht.

 

Die anfängliche Zurückhaltung wich schnell Begeisterung! So sind viele individuelle Unikate entstanden, eines inspirierender als das andere! Bunt oder mit sanften Farbverläufen. Zart schattiert oder satt koloriert. Manche der Künstlerinnen haben sich akribisch ihrem ganz persönlichen Gemälde gewidmet, andere sind gar mit zwei oder drei fertigen Bildern nach Hause gegangen.

 

Davor haben sie mir noch wunderschöne Feedbacks geschenkt:

„Ich hätte nie gedacht, dass ich das kann!“

„Ich werde mir meine Bilder daheim aufhängen!“

„Wenn man etwas falsch macht, kann man einfach wieder drüber malen.“

„Die anderen haben mich inspiriert und motiviert.“ 

„Es macht mich glücklich, etwas Bleibendes geschaffen zu haben.“

 

Die Femissage, die erste dieser Art überhaupt, war eine wertvolle Bereicherung für alle Beteiligten. 

 

Malen ist heilsam, Malen entstresst, Malen macht glücklich. 

Deshalb treten immer öfter auch Unternehmen an mich heran, deren Mitarbeiter – in kleinen oder auch größeren Gruppen – miteinander malen. Zur Konfliktbewältigung, zur Teambildung oder einfach als Incentive, mit freier Themenwahl oder zur konkreten Lösungsfindung, für Manager und Mitarbeiter, für einzelne Bereiche oder interdisziplinär. Malen bringt vieles zu Papier, es zeigt auf, symbolisiert, stellt dar.

 

Vielen Dank an Magdalena Krammerbauer für diese tollen Fotos! :-)