„Nur einen Kopf zu malen wäre arrogant. Es ist die Seele, die ich in einem Portrait einzufangen versuche.“
Ich male Frauen, die von der Gesellschaft oft auf ihr Äußeres oder ihr Tun reduziert werden, um ihnen eine Stimme zu verleihen und damit zu zeigen, wie stark und schön alle Frauen sind.
„Ich bin nicht dort, wo du mich sehen möchtest.
Fang an, mich dort zu sehen, wo ich bin: Mit dir auf einer Augenhöhe.
Der Betrachter meiner Bilder soll fühlen, wie die Protagonistin auf der Leinwand sich fühlt.“
Ich trage alle Bilder seit Monaten mit mir im Kopf. Für dieses Projekt setze ich ganz bewusst unterschiedliche Stile ein, welche Stellung und Nähe des sozialen Umfelds widerspiegeln. So entstehen Bilder starker Frauen. Frauen, die es nicht notwendig haben, als „perfekt“ beurteilt zu werden.
Für meine Bilder stehen ´echte´ Frauen Modell, mit ihren Narben, ihren zarten und schweren Körpern, ihren weisen Falten....
Vor meiner Leinwand werden sie allesamt nackt, transparent, verletzlich. Ich bewundere jede Einzelne für ihre Stärke und ihren Mut.
Geplant sind mehrere Vernissagen an Orten der Begegnung, offen für Kunst und Neues. Dort, wo man die Anliegen der Frau ernst nimmt.
210 x 150 cm - ich wähle das Format deshalb so groß, um die Schwachen/Kleinen größer zu machen, ihre Stimme gewichtiger. Diese Frau soll unübersehbar sein.
Material:
Naturbelassenes Leinen
Ich mag Leinen, es ist ursprünglich, echt und erdig. So wie wir Frauen.
Es ist nicht perfekt gespannt, wie auf einem Keilrahmen aufgezogen – es ist unförmig, verzieht sich, zeigt Spuren vom Malen, hat Makel – und wird so lebendig. Wie diese Frauen, die für meine Bilder Vorbild sind. Der Stoff ist nicht glatt und unpersönlich perfekt – alles hat Charakter.
Ich als Künstlerin sage damit: „Du bist einzigartig und schön - so, wie du bist, egal wie du aussiehst, egal was du tust – solange du glücklich bist!“
Gold:
Gold ist wegen seines Sonnenglanzes schon seit frühesten Zeiten das Material der Götter, Kaiser und Könige. Was könnte nicht besser zu uns Frauen passen?
In meinen Bildern ist das warme Gold die Farbe der starken Frau. Mit dieser Farbe in Form von Blattgold möchte ich die Besonderheit zeigen.
Rot:
Rot ist meine ausdrucksstärkste Farbe, die die Stärke der Frau symbolisiert.
Technik:
Ich habe den Körper mit Kugelschreiber vorskizziert. Unwiderruflich. Mit Acrylfarbe und Blattgold vereint.
Striche / Schrift:
Diese Schriftzeichen symbolisieren den Text. Dieser steht für immer wieder kehrende Verteidigungen, Gespräche, Erklärungen gegen gut gemeinte Ratschläge. Auch Anklage.
Basis:
Als Grundlage für diese Thematik dienen intensive Gespräche und Befragungen von Frauen und Männer zum Thema "Frauenbild". Studien dazu werden bei der Ausstellung veröffentlicht.
„L“ - so heißt das erste Bild meiner Serie „Ich bin.“
<3
Ich habe es nach
dem Vorbild einer jungen Frau mit dem Anfangsbuchstaben „L“ gemalt.
Diese Frau ist
real. Ihre Gedanken sind real. Ihre Ohnmacht ist real. Eine starke Frau, die auf den ersten Blick zart und zerbrechlich aussieht – für Viele zu zart, zu dünn, zu klein, zu…
wenig.
L ist es leid,
sich immer wieder erklären zu müssen.
L sitzt in einer Blumenwiese. Sie hat mehr als zwei Arme, nicht nur um sich zu schützen, sondern auch um sich zu verstecken. Vor den Blicken der Anderen. Vor den Gedanken der Anderen. L bedeckt
ihren Körper und hätte gerne noch mehr Arme. Ihr rotes Gewand - meine liebste, sinnlichste Farbe - symbolisiert die Stärke dieser Frau.
L blickt dich eindringlich an und sagt: „Hör auf. - Ich bin satt.“
„Hör auf. Du musst mich nicht füttern. Ich bin satt. Ich habe euch satt. Ich bin genug. Hör auf mich zu füttern. Ich bin stark, doch du machst mich
schwach. Klein. Unwichtig. Minderwertig.
Hör auf. Ich beginne dich zu hassen, für das, was du an mir siehst. Ich verstecke mich, vor dir, vor allen anderen. Ich brauche Schutz, brauche mehr
Hände. Brauche mehr. Immer mehr. Doch du nimmst nur, gibst mir das Falsche. Du machst mich schwach. Liebe mich. So wie ich bin. Liebe mich. Nimm mich, so wie ich bin. Fühle mich, so wie ich bin.
Liebe mich - erlebe mich. Sieh mein Innerstes. So wie ich bin. Liebe mein ICH.“
"L" steht für alle Frauen, die „zu wenig“ oder „zu viel“ sind. Eben nicht der „Norm“ entsprechen. Ich als Künstlerin möchte damit diesen Frauen eine Stimme geben.
„G“ - so heißt das nächste Bild meiner Serie „Ich bin.“
<3
*Ich male zurzeit wegen Corona in unserer Wohnung, statt im Atelier. Am Boden, an den Küchenschränken angeklebt... überall wo ein bisschen Platz ist. Ja, ein wenig eng für diese großen Werke... doch ich "muss" einfach malen... es geht nicht ohne.*
Ich male dieses Bild nach dem Vorbild einer besonders starken Frau mit dem Anfangsbuchstaben „G“. Diese Frau ist real. Ihre Gedanken sind real.
"G" – die Frau mit den Narben (Bilder in Arbeit)
„Ich bin normal. Hör auf, mich anzustarren!"
Sie ist gezeichnet, hat gelitten und dennoch, oder gerade deshalb ist sie so unglaublich stark. Diese Frau steht mit geschlossenen Augen in einem blutroten Feld, friedvoll und in sich
gekehrt. Berührt liebevoll ihre Narben.
„G“ erinnert sich. Wie es war. Damals. Als sie ihre Narben verdeckte. Versteckte.
„Meine Arme haben viele Gelenke. Mehr als …normal. Je mehr, desto besser, umso besser kann ich mich schützen, meine Narben verstecken. Ich schließe meine Augen, sehe nichts, sehe dich nicht,
und das, was du so sehr anstarrst.
Ich habe Kindern das Leben geschenkt. Sieh mich an, sieh mich nicht an. Was starrst du an? Was siehst du an mir? Was siehst du in mir? Kannst du sie sehen? Kannst du MICH sehen?
Ja, ich bin gezeichnet. Genzeichnet für mein Leben. Gezeichnet vom Leben. Und wenn ich die Augen schließe, kannst du sie nicht sehen. Wie sie dich anstarren, blutend rot. Du siehst mich
nicht. Siehst du meine Krone nicht? Wie sie glitzert und strahlt? Siehst du mich nicht? Nicht mein ICH?
Schließe auch du die Augen, erst dann wirst du mich sehen. Mein ICH. Fühle mich. Spüre mich. Lebe mich. Liebe mich. Liebe mich, so wie ich bin. So wie ich aussehe. Liebe das, was ich
bin.
Ich bin glücklich. Ich bin.
Mein Kopf trägt eine goldene Krone. Stolz und aufrecht. Majestätisch. Und ja, ich stehe immer wieder auf. Egal wie viele Narben ich noch sammle – ich stehe immer wieder auf und lächle.“
"G" steht für alle Frauen, die mit äußeren und inneren Narben gezeichnet sind. Eben nicht der „Norm“ entsprechen. Ich als Künstlerin möchte damit diesen Frauen eine Stimme geben. <3
„E“ - so heißt ein weiteres Bild meiner Serie „Ich bin.“
<3
Ich habe es nach dem Vorbild einer jungen Frau mit dem Anfangsbuchstaben „E“ gemalt.
Diese Frau ist real. Ihre Gedanken sind real. Eine starke Frau, die Blicke auf sich zieht. Immer wieder. Die… „krank“ ist? Die, die keine Haare auf dem Kopf hat…
Doch „die“ hat einen Namen: „E“.
E lacht in diesem unbeschwerten Moment.
„Hör auf, mich zu bemitleiden!
Ich bin glücklich.“
Ich als Künstlerin habe dieses Acrylbild „verschoben“ gemalt, als würde es aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Ver-rückt. Ich mag verrückt! Nur wenige Milimeter zur Seite gerrückt, und schon hat alles ein anderes Gesicht. Das Licht fällt anders, die Stimmung verändert sich. Ich fühle mich anders. Ich „sehe“ anders.
Mir gefällt es, Menschen aus verschiedenen Seiten zu betrachten, ich entdecke Details die mir auf den ersten Blick verborgen blieben, die mich überraschen, beigeistern oder auch ängstigen. Es
liegt alleine an mir, aus welchem Blickwinkel ich „E“ ansehen möchte. Wie ich „E“ begegne, was ich in dieser Frau sehe.
:-)
"E" steht für alle Frauen, die „anders“ aussehen. Eben nicht der „Norm“ entsprechen. Ich als Künstlerin möchte damit diesen Frauen eine Stimme geben.
<3
„D“ - so heißt ein weiteres Bild meiner Serie „Ich bin.“
<3
Acryl auf Leinen, 90 x 70 cm
„Ich bin eine Putzfrau und habe meine Würde.“
***Dunja***
„Ich arbeite jetzt 16 Jahre hier, am Bahnhof. Wie ich damals nach Österreich gekommen bin, habe ich Glück, dass ich hier Arbeit gefunden habe. Mein Deutsch war nicht gut und ich habe keinen Beruf gelernt.
Ich halte die Klo sauber.
Jeden Tag.
Ich habe nie gefehlt, war nur zweimal krank.
Es gibt Menschen, die mich wie Dreck behandeln. Und das sind die, die das Klo wie einen Schweinestall verlassen. Manche sehen mich mitleidig an. Doch das brauche ich nicht. Ich mache meine Arbeit gut.
Kenne hier alle.
Fast jeden Tag kommt einer, der Mann im schwarzen Anzug mit Krawatte. Das ist ein guter Mann, nicht nur weil dem Trinkgeld. Er redet mit mir, weiß, dass er zwei Kinder hat. Einmal hat er seine Brieftasche vergessen, habe ich aufgepasst und nicht rein geschaut. Er war sehr dankbar, hat mir eine Orchidee geschenkt. Meine erste.
Was ich mache, wenn ich nicht hier bin und putze?
Ich gehe heim zu meinen Orchideen. Habe jetzt schon 24 Stück daheim. Sogar verschiedene Sorten! Das sind meine Kinder, ich lese denen vor, dann wachsen sie schöner.
Was ich vorlese?
Na Dostojewski, ist ja ein Landsmann von mir. Der sagt: „Der Mensch kann nicht bestehen, ohne etwas anzubeten.“
Wie meine Orchideen.“
„J“ - so heißt ein weiteres Bild meiner Serie „Ich bin.“
<3
Acryl auf Leinen, 90 x 70 cm
„Ich bin alt. Na und?“
Schon das Telefonat mit Johanna war einzigartig und bezaubernd. Schon der Stimme nach schätzte ich sie auf 80 Jahre oder mehr. Wie alt sie wirklich ist, habe ich sie nie gefragt.
Sie hatte von mir im Internet gelesen. Ich musste schmunzeln. So stolz war sie, als sie das sagte. Im Internet.
Sie bat mich, sie zu „zeichnen“. Sie möchte in Erinnerung bleiben. Genauso, wie sie jetzt ist. „Ich möchte etwas mit diesem Bild weitergeben“, meinte sie am Telefon leise.
Das macht mich als Künstlerin natürlich neugierig.
Ein unscheinbares, altes Häuschen, das schon bessere Tage gesehen hat. Der Verputz blättert ab. Ich läute an. Ich erwartete eine langsame alte Frau - und lerne einen wahnsinnig lebensfrohen, klugen, humorvollen Menschen kennen.
Hunderte Eindrücke strömen in mich ein. Die Wärme der kleinen Schwedenofens, der Duft nach Holz, Seife und Äpfeln, glänzende Möbel, sorgfältige Ordnung.
Nach einem kurzen Kennenlernen fängt Johanna an zu erzählen.
„Ich hab‘ den Krieg miterlebt“, erzählt sie mit glasigen Augen, „den Vater und zwei Brüder verloren… gehungert und mich im Dreck verkrochen, als die Flieger unsere Hütte bombardierten.“
Sie erzählt weiter, über ihre große Liebe und über den, den sie geheiratet hat. Über ihre fünf Kinder und ihre Enkel. Sie erzählt von Politik, Haltungen, Werten, von guten und nicht so guten Menschen.
„Wissen’s, die Pandemie interessiert mich nicht. Risikogruppe oder nicht, ich hab‘ mein Leben gelebt. Ich will mich nicht mehr verkriechen müssen, in den paar Jahren, die mir noch bleiben.“
Ein Satz, den sie mehrmals sagt, bleibt bei mir ganz besonders hängen: „Urteile nie zu schnell, es gibt immer mehrere Seiten.“
Nach fast vier Stunden wird Johanna ruhig. Ich beginne, sie zu skizzieren, sie zu fotografieren. Das gefällt ihr, frech lacht sie in die Kamera. Plötzlich zeigt sie mir den Mittelfinger und meinte: „Kindchen, ich kann nicht so lange stillsitzen, ich habe noch viel vor!“
Wir mussten beide lange lachen – das war ein schöner Moment!
Ich gehe bereichert und glücklich.
„Bitte, kein normales, braves Portrait.“, meinte sie leise zum Abschied und drückt dabei fest meine Hand.
Mir war sofort klar - das Portrait dieser wundervollen Frau soll etwas ganz Besonderes werden. Es soll in seinen Bann ziehen und auch ein wenig provozieren.
Ich musste sie aus verschiedenen Blickwinkeln malen. Johanna kann man nicht nur von einer Seite sehen, sie hat in keiner Schublade Platz.
Ich habe diese alte Frau so gemalt, wie sie ist. Gütig, frech und weise - mit ihren unzähligen Falten, auf die sie so stolz ist. Erzählt doch jede einzelne eine Geschichte.
Ich bewundere diese Frau, die so viel erlebt hat und nicht müde wird, immer weitermachen zu wollen. Ich bewundere ihre Energie. Ihrem Mut. Ihren Willen.
Beim Malen dachte ich oft daran, wie wir mit den Alten umgehen.
Und ich war schockiert, mich selbst dabei zu ertappen, das Wort „alt“ als negativ zu sehen.
„Jugend ist keine Leistung.“ hat Johanna einmal gesagt. „Alter eh auch nicht“ hat sie dann schmunzelnd nachgelegt.
Mir fielen Völker ein, spirituelle Völker, die den Wert und die Weisheit der Alten erkennen, schätzen und nutzen und sie nicht nur nach ihrer Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt klassifizieren.
Nach einigen Wochen zeigte ich Johanna K. ihr Bild. Wie immer war ich als Künstlerin extrem angespannt… gefällt es? Geht es vielleicht doch zu weit? Versteht es der Betrachter?
Als Johanna dieses Portrait, ihr Bild sah, hat sie nur tief durchgeatmet und stolz gelächelt. Sie sagte kein Wort, drückte mich und begann zu weinen.
Das wohl schönste Kompliment für mich als Künstlerin.
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Doris Maria Weigl
DORIS MARIA WEIGL
Grafikerin - Illustratorin - Malerin
Meine Kunstwerke male/zeichne ich mit Acryl, Tusche, Graphit, Feder, Kugelschreiber, Kohle, Tinte, Erde ... oder ich erstelle sie digital.
***Wesentlich ist für mich die Botschaft, das Gefühl***
- DMW -
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