AUSSTELLUNG  ***StarkeFRAUEN***


***Starke FRAUEN*** - Ausstellung in Oberösterreich

„Nur einen Kopf zu malen wäre arrogant. Es ist die Seele, die ich in einem Portrait einzufangen versuche.“



***FEMISSAGE***  -  begleitend zur Ausstellung ***StarkeFRAUEN*** am 15.10.2021 im VOI/St. Martin – Frauen malen sich frei 

Die Aufregung war spürbar!

Schon im Vorfeld hatte ich einige interessante Gespräche mit Frauen, oft hörte ich, „ich kann aber nicht malen“. Und immer wieder kam gleich darauf, „aber ich mache es so gerne, es entspannt, es erfüllt mich“. Ich habe einige sehr persönliche Geschichten gehört. Am meisten bewegt hat mich, dass gleich mehrere der Frauen in der Schule von ihren Lehrern bloßgestellt worden waren. „Schaut euch den Schund an, den sie gemalt hat!“ 

Wie soll da Hingabe, wie soll da Liebe zur Kunst entstehen?

 

Und dann war‘s endlich soweit! 

Gemeinsam mit anderen Kunstinteressierten zu malen ist für mich immer ein ganz besonderes Erlebnis. Es ist unglaublich prickelnd und spannend, manche der Frauen sind bereits erfahren, andere malen überhaupt ihr erstes Bild in ihrem Erwachsenenleben. 

 

Zuerst hantieren sie meist etwas zaghaft, beinahe scheu mit Pinsel und Farben. 

Deshalb habe ich die Teilnehmerinnen bei unserer Femissage am Anfang zu einer gemeinsamen Meditation eingeladen, bei der sie einen ganz besonderen Moment in ihrem Leben, einen friedvollen Ort, ja, ihre persönliche Freiheit erspüren. Diesen Stimmungen haben wir dann Farben gewidmet. Und genau diese Farben, diese Gefühle haben die Damen dann auf die Leinwand gebracht.

 

Die anfängliche Zurückhaltung wich schnell Begeisterung! So sind viele individuelle Unikate entstanden, eines inspirierender als das andere! Bunt oder mit sanften Farbverläufen. Zart schattiert oder satt koloriert. Manche der Künstlerinnen haben sich akribisch ihrem ganz persönlichen Gemälde gewidmet, andere sind gar mit zwei oder drei fertigen Bildern nach Hause gegangen.

 

Davor haben sie mir noch wunderschöne Feedbacks geschenkt:

„Ich hätte nie gedacht, dass ich das kann!“

„Ich werde mir meine Bilder daheim aufhängen!“

„Wenn man etwas falsch macht, kann man einfach wieder drüber malen.“

„Die anderen haben mich inspiriert und motiviert.“ 

„Es macht mich glücklich, etwas Bleibendes geschaffen zu haben.“

 

Die Femissage, die erste dieser Art überhaupt, war eine wertvolle Bereicherung für alle Beteiligten. 

 

Malen ist heilsam, Malen entstresst, Malen macht glücklich. 

Deshalb treten immer öfter auch Unternehmen an mich heran, deren Mitarbeiter – in kleinen oder auch größeren Gruppen – miteinander malen. Zur Konfliktbewältigung, zur Teambildung oder einfach als Incentive, mit freier Themenwahl oder zur konkreten Lösungsfindung, für Manager und Mitarbeiter, für einzelne Bereiche oder interdisziplinär. Malen bringt vieles zu Papier, es zeigt auf, symbolisiert, stellt dar.

 

Vielen Dank an Magdalena Krammerbauer für diese tollen Fotos! :-)


„Das ist so gut, dass man nicht merkt, dass es von einer Frau gemalt wurde.“

Hans Hofmann zu seiner Schülerin Lee Krasner - das wohl beschissenste  Kompliment der Kunstgeschichte.

 

Ich male Frauen. Starke Frauen.

Frauen mit Narben, Falten, Charakteren.

Frauen, die es nicht notwendig haben, beurteilt zu werden.

Vor meiner Leinwand werden sie allesamt nackt, transparent, verletzlich. 

Ich bewundere jede Einzelne für ihre Stärke und ihren Mut.

In einer Gesellschaft, die nach Perfektion giert und schnell aufs Äußere reduziert, forsche ich nach Werten.

 

Es ist endlich soweit!

Am 1. Oktober beginnt unsere Ausstellung ***StarkeFRAUEN*** in Oberösterreich - im VOI Kulturzentrum in St. Martin im Mühlkreis. Ich freue mich riesig, endlich wieder Kunst, Malen, zeichnen... eintauchen in meine Welt <3 <3 <3

 

Doris M. Weigl.Malerin / Illustratorin / immer im Bilde.

„Meine Werke entstehen meist mit Acryl, Graphit und Kohle. Aber ich setze auch Blut, Tränen, Cognac, Erde, Dreck ein. Wesentlich ist die Botschaft, das Gefühl.“

 

Peter M. Werner.Manager / Geschichtenerzähler / kopflastiger Herzmensch.

„Ich liebe es, wenn aus einem Gedanken, einer kleinen Idee, etwas Großes, Ganzes wird! Etwas, das lebt. Wesentlich ist die Geschichte, der Sinn.“


Von den 77 teuersten Gemälden aller Zeiten, die allesamt um mehr als 50 Millionen US Dollar verkauft wurden, zeigen knapp die Hälfte Abbildungen von Frauen.

Kein einziges dieser Gemälde aber wurde von einer Frau geschaffen.

 

Der Jahrtausende alte Anachronismus, nach dem Frauen ob ihrer Schönheit zwar Modell oder Muse sein können, man zum anerkannten Führen eines Pinsels scheinbar aber Mann sein soll, kotzt mich an.



Presseartikel zur Ausstellung


Serie "Porzellan"

Portraits von Menschen, die mich inspirieren.

 

Ich male sie auf deine Haut. Deine Natur. Dein Innerstes.

Zart und geschmeidig.

Stark und gediegen.

 

Wie Porzellan.

***Gerlinde Maria Gruber*** Fachärztin für Anatomie - St. Pölten

 

Ich bin Fachärztin für Anatomie – es ist kein Beruf, es ist meine Berufung, Menschen nach ihrem Tod zu begleiten und auch noch lange danach für sie da zu sein. Ich nehme die Angst vor dem Tod und diene dem Leben, indem ich Studierenden die Faszination der menschlichen Anatomie näher bringe. Ich versuche jedem einen Funken meines inneren Feuers mit auf den Lebensweg zu geben und Begeisterung, Neugierde, Freude und Empathie zu entfachen, denn Fachwissen alleine ist nicht alles, worauf es ankommt.

Erinnere Dich gerne; nimm mit, was Du brauchst; vergiss nie und behandle Menschen mit Respekt, Liebe und wie Du selbst behandelt werden möchtest. Ich sehe Dich mit meinem Herzen und nehme Deine Geschichte wahr, Du bist besonders - ich darf Dich ein Stück Deines Weges begleiten. Nimm‘ dieses Wissen mit auf Deinen Lebensweg und gib‘ diesen Funken, dieses Strahlen weiter, so wird die Welt zu einem besseren Ort.

***Alex*** 

Streetworkerin - Berlin

 

Mir gehts gut, es ist wundervoll, aber auch hart.

Habe mir die letzten Jahre einen Schutzpanzer angelegt. 

Daheim dann kann ich sie ablegen, meine dicke Haut, meine verletzliches Innerstes zeigen, wie eine kleine Blüte... und dann muss ich weinen.

Ist nicht immer einfach.

Freue mich jedes mal, wenn ich einem Menschen eine Mahlzeit oder ein Dach über dem Kopf geben kann.

 

Wir sind es alle wert, wie Menschen behandelt zu werden.

 

- VERKAUFT  - 

***Daniela Flickentanz***

Liedermacherin und Sängerin - Wien

 

In die Weite gehen 

das Zarte nicht mehr 

als das Schwache sehen 

ganz still und friedlich 

bei mir sein 

so will ich nicht mehr nur 

auf diesem Bild hier sein.

 

https://www.flickentanz.at

***M.***

Mutter - Deutschland

 

Ich bin jetzt Mutter.

Ich liebe mein Kind und werde alles dafür tun, dass es später ein schönes Leben hat. Noch vor zwei Jahren ging ich anschaffen. Werde diese Zeit nie vergessen… so kalt. Jetzt ist es warm und ich kann mich fallen lassen, werde aufgefangen von meinem liebevollen Freund. Damit ich da bin, glücklich sein kann, für meine Familie.

Wenn ich zurückdenke, sehe ich mich als zerrissene Seele, ohne Zukunft und zerbrechlich. Ich mache jetzt eine Lehre als Bäckerin. Das macht mir Freude. Ein süßer Kuchen wärmt das Herz. Ich backe oft gleich zwei Kuchen, damit ich einen verschenken kann. An jemand, der ein wenig Wärme braucht.

 

- VERKAUFT  - 

***Nele Moser*** Songwriterin - Duo „Rosarot verzaubert“

Foto: Jürgen Sturany

 

…was, wenn wir alle ein regenbogen wären?

…bestehend aus schön- und schlechtwetter?

…und mit ein wenig wasser beginnen wir zu leuchten in den strahlendsten farben des gesamten spektrums?

…was, wenn wir nichts berichtigen, verbessern, ausbügeln oder verstecken müssten, sondern einfach nur „dasein“ müssten?

…was wenn wir alle ein regenbogen wären?

…ein wunderschönes naturphänomen, das für alle da ist, um das aber nicht gestritten werden kann, und unter dem man einen wertvollen schatz vermuten darf?

…ein ereignis, das nie zu falschen zeit erscheint, das keine rohstoffe ausbeutet, das niemanden das leben kostet, und das nie müde wird, zu entstehen, wenn alle aspekte zusammen kommen?

…was, wenn wir alle ein regenbogen wären?

 

www.nele-moser.net 

 



„Wenn ich beim Malen in mein Bild eintauche, kann ich alles sein. Dann höre ich den Klang jeder einzelnen Farbe und wandle am schmalen Grat zwischen Vollendung und Verzweiflung.“


DMW:

Wenn man sich so wie ich auf eine Ausstellung vorbereitet und recherchiert, kommen schon einige ganz interessante Dinge zutage. 

Große Männer kommen öfter. Männer haben entweder öfter Großartiges geleistet oder sich besser verkauft? Oder öfter die Möglichkeit dazu bekommen? Oder weniger Zeit für die Familie verbracht? Oder offensiver damit nach Außen gegangen? Oder prioritärer von den Medien behandelt? Wahrscheinlich von allem ein bisschen.

Männer sind interessanter. Auch das bereitet mir als Frau Anfang 50 beinahe körperliche Schmerzen. Ich ertappe mich dabei, dass ich älteren Männern beim Malen mehr Interesse widme. Male ich sie „schöner“? Endet die Grazie, die Ausstrahlung einer Frau mit ihrer Jugend? Und wer verdammt hat uns das eingetrichtert?

  

Mich faszinieren Menschen. Naja, die meisten zumindest... Ich liebe es, sie zu beobachten, mir deren Geschichte auszumalen… mich zu fragen, warum tun sie dieses und jenes, warum sind sie das geworden, was sie jetzt sind? Wer waren sie davor? Warum reagieren sie so, wer steckt hinter der Fassade, dieser Maske? In meinen Bildern möchte ich reale Menschen zeigen, mehr als „nur“ ein schönes Gesicht, von deren Leben erzählen. 

 

Mit dieser ersten Ausstellung in meiner neuen Heimat möchte ich ganz besonders Frauen eine Stimme geben. Jenen, die übersehen werden, die in ihrer kleinen Welt jeden Tag aufs Neue Stärke und Mut beweisen. Ich möchte mit meinen Farben zeigen was sie zu sagen haben, wer sie eigentlich sind, wofür sie stehen, wovor sie Angst haben und was sie bewegt. 

Ich möchte mit meiner Kunst etwas bewirken, etwas auslösen. Sei es durch ein Lächeln oder Entsetzen, ungeschönt und ehrlich. Hauptsache man „fühlt“. Echt. 

 

Manche meiner Bilder zeigen einen starken Einfluss von meiner Arbeit als Illustratorin. Ich male nicht nur, es sind nicht nur die Pinselstriche, die ein Werk ausmachen. Es ist ein Gesamtes aus Stiften, Draht, Buchseiten, Blattgold, Blut oder Asche… einfach alles, was mich gerade inspiriert. Ich liebe diese Freiheit in meiner Welt der Kunst. Einfach eintauchen.

Während diesem „Komponieren“ verschiedenster Materialien verschmelze ich mit meinem Werk. Ich schlüpfe in die Rolle des Protagonisten. Bin nicht mehr ich selbst. Ich höre nichts mehr um mich, verliere Zeit und Raum. Ich werde ein wenig ver-rückt. Gebe einen Teil von mir. Bis es zu Ende geht, dieses eine Projekt. Ernüchternd öffne ich wieder die Augen und bin in der realen Welt. Und mir ist kalt. Es dauert ein wenig, bis ich wieder ich bin… wieder lachen kann und das Leben mich wärmt. 

 

Es geschieht den ganzen Tag mit mir. Eigentlich kann ich gar nicht anders. Ich male auch in Gedanken. Immer. Während ich daheim still sitze, aufgeregt durch das Haus von Freunden gehe, neugierig einen neuen Laden betrete oder im Wald spaziere. Meine Finger werden unruhig. Sie werden aktiv. Sie formen, was in meiner Gedankenwelt entsteht. 

Und täglich wächst die Galerie. Weil meine Hände nicht ruhen können.

 

Ich frage mich manchmal, warum ich? Warum habe gerade ich diese Begabung zum Zeichnen und Malen? Was ist mein „Auftrag“? Jeder Mensch hat eine bestimmte Begabung, leider oft in jungen Jahren abtrainiert.

Es ist ein Geschenk. Mein Geschenk. Und ich schätze es wert. Darum werde ich mit meiner Kunst die Welt verändern. Ein Lächeln oder Entsetzen auslösen. Frauen stärken. 

Und das ist erst der Beginn. Es gibt noch viel zu tun! StarkeFRAUEN. 


Serie ***JOY*** - digital Art

Freude als neue Form der Kunst? „Was für ein Unsinn!“, wirst du denken.

Kunst begann mit Freude. Die ersten Malereien in den in den Höhlen von Altamira und El Castillo vor über 40.000 Jahren. Was muss in diesem Menschen vor sich gegangen sein, als er den ersten roten Kreis der Menschheitsgeschichte malte und damit unsterblich wurde! Welches Gefühl muss ihn durchströmt haben, als in einem Zeitalter des spurlosen Vergehens plötzlich etwas blieb.

 

Dann haben die Mächtigen die Kunst für sich entdeckt: Zur Verherrlichung der Kriege, zur Einschüchterung, Manipulation. 

 

Langsam, peu a peu, trat das Figurelle in den Hintergrund, es tauschte erst Platz mit der Sachlichkeit, dann mit der Abstraktion. Hochinteressant, zweifelsohne. 

Aber bringt es den Menschen Freude? 

Wem hüpft das Herz im Leibe bei der nüchternen Formensprache des Bauhaus?

Wer kann die Gefühle der Vertreter Geometrischer Abstraktion nachvollziehen?

 

Tut es nicht, weil es das gar nicht tun soll. Es ist nicht Aufgabe dieser Richtungen.

Ganz anders bei Joy.

***Kinder*** 

aus der Serie „Joy“  -  digital Artwork

 

…und dann habe ich ihr Lächeln gesehen. Und vorbei war die Losigkeit des Tages.

Ideenlos, phantasielos, überraschungslos, all das wich mich einem Mal diesem warmen, bezaubernden, mitreißenden und erfüllenden Lächeln. 

 

Nichts ist inspirierender als mit Kindern zu werken. Mit ihnen natürliche Kunst zu machen.

 

Kinder sind, was sie gerade sein wollen. Prinzessin, Ritter, Mondfahrerin oder einfach nur unsichtbar, mit ganz fest verschlossenen Augen. 

 

Sie sehen, was sie gerade sehen wollen. Aus grau wird kunterbunt, Ecken werden rund, aus Büschen schnell ein Hund, aus Wanne Meeresgrund.

 

Ihr Alltag ist Spiel. Ihre Worte sind nicht überlegt. Ihre Gefühle sind ehrlich. 

 

Was können wir Künstler nicht alles von den Kindern lernen! Diese wunderbare Unbeschwertheit, diese unbändige Neugier, diese Akribie für das Erfüllende und dieses Fallenlassen des Reizlosen.

 

Picasso meinte, „Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben.“ Und Matisse, „Man darf nicht verlernen, die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen.“

 

Was können wir Menschennicht alles von den Kindern lernen.

 

Eins fällt mir dazu noch ein, etwas sehr Schönes.

In China sagt man: „Das Herz eines kleinen Kindes ist wie das Herz Gottes.“ 

 

 

„Kinder“ aus der Serie „Joy“.

Weil Kunst begeistern soll.


Pandemia

***Pandemia***  -  Das ganze Volk.  

Acryl, Gold, Tinte, Graphit auf Artist’s Board – 60 x 84 cm

  

Angst.

Statistische Sterberaten. Weit entfernt. Dann wieder Betroffenheit im nahen Kreis. Damokletische Ungewissheit. Der Schrecken hüllt uns alle in Text ohne Inhalt. Wie ein Henker, der elendig lange doziert, bevor er möglicherweise sein Werk verrichtet. 

 

Verwirrung.

Fruchtbarer Boden für gewissenlose Newsfaker. Kleingeld aus der Not. Not macht empfänglich. Gezielte Desinformation zur Irritation. Propaganda. Wie im Krieg. Nichts vereint, wie ein gemeinsamer Feind. Sagt man. Nicht heute. Virus als Waffe. 

 

Komme ich als Künstlerin an diesem Thema vorbei. Jeder spricht darüber. Allgegenwärtigkeit. Vermeintliches Wissen als vermeintlichen Schutz. Muss ich meinen Turm aus buntem Elfenbein verlassen. Ich liebe doch das Schöne. 

  

Pandemia.

Kein Akt, wie sie früher die alten Meister inszenierten. 

Nicht voll und prall und aufreizend. 

 

Die Erscheinung. Blass, transparent, müde. Ohnmächtig vom Warten und der Entbehrung von Begegnungen. Ohne Macht. Gleichgültig.

 

Der Blick. Eindringlich und anklagend.

Die Farbe des Stoffs ist kalt. Kalt an mir. Kalt in mir.

 

Der Apfel. Zentrales Symbol der Gier. Immer weiter, immer größer, immer mehr. Luxus, der uns kurz befriedigt. Komfort, der uns schwächt. Abhängig macht. Unsere Werteordnung gerät ins Wanken. Was ist noch wichtig.

 

Die Requisiten. Comichaft überzeichnet symbolisieren sie ihre Ängste. Geld, Gesundheit, Leben. Und die Flucht in gefährliche Scheinwelten. 

 

Der Delfin. Pflaster nach der Impfung. Was kommt danach. Was werden wir gelernt haben. Ein Planet atmet auf. Blauer Himmel, klare Flüsse, wertvolle Luft. Werden wir ihm die Luft zum Leben lassen. Werden wir uns besinnen. Werden wir entglobalisieren. Werden wir schätzen, was wir haben. Werden wir wieder spirituell werden.

Wir brauchen sehr wenig um glücklich zu sein. 

<3

Das Wort „Krise“ besteht in China aus zwei Schriftzeichen. Das eine bedeutet „Gefahr“.  Das andere „Gelegenheit“.



Ich male Frauen, die von der Gesellschaft oft auf ihr Äußeres oder ihr Tun reduziert werden, um ihnen eine Stimme zu verleihen und damit zu zeigen, wie stark und schön alle Frauen sind.

 

„Ich bin nicht dort, wo du mich sehen möchtest.

Fang an, mich dort zu sehen, wo ich bin: Mit dir auf einer Augenhöhe.

Der Betrachter meiner Bilder soll fühlen, wie die Protagonistin auf der Leinwand sich fühlt.“

 

Ich trage alle Bilder seit Monaten mit mir im Kopf. Für dieses Projekt setze ich ganz bewusst unterschiedliche Stile ein, welche Stellung und Nähe des sozialen Umfelds widerspiegeln.  So entstehen Bilder starker Frauen. Frauen, die es nicht notwendig haben, als „perfekt“ beurteilt zu werden.

 

Für meine Bilder stehen ´echte´ Frauen Modell, mit ihren Narben, ihren zarten und schweren Körpern, ihren weisen Falten....

Vor meiner Leinwand werden sie allesamt nackt, transparent, verletzlich. Ich bewundere jede Einzelne für ihre Stärke und ihren Mut.

 

Geplant sind mehrere Vernissagen an Orten der Begegnung, offen für Kunst und Neues. Dort, wo man die Anliegen der Frau ernst nimmt. 


Meine Gedanken zu dieser Serie: 

 

Format:

210 x 150 cm - ich wähle das Format deshalb so groß, um die Schwachen/Kleinen größer zu machen, ihre Stimme gewichtiger. Diese Frau soll unübersehbar sein.

 

Material:

Naturbelassenes Leinen 

Ich mag Leinen, es ist ursprünglich, echt und erdig. So wie wir Frauen.

Es ist nicht perfekt gespannt, wie auf einem Keilrahmen aufgezogen – es ist unförmig, verzieht sich, zeigt Spuren vom Malen, hat Makel – und wird so lebendig. Wie diese Frauen, die für meine Bilder Vorbild sind. Der Stoff ist nicht glatt und unpersönlich perfekt – alles hat Charakter. 

Ich als Künstlerin sage damit: „Du bist einzigartig und schön - so, wie du bist, egal wie du aussiehst, egal was du tust – solange du glücklich bist!“

 

Gold:

Gold ist wegen seines Sonnenglanzes schon seit frühesten Zeiten das Material der Götter, Kaiser und Könige. Was könnte nicht besser zu uns Frauen passen?

In meinen Bildern ist das warme Gold die Farbe der starken Frau. Mit dieser Farbe in Form von Blattgold möchte ich die Besonderheit zeigen. 

 

Rot:

Rot ist meine ausdrucksstärkste Farbe, die die Stärke der Frau symbolisiert.

 

Technik:

Ich habe den Körper mit Kugelschreiber vorskizziert. Unwiderruflich. Mit Acrylfarbe und Blattgold vereint.

 

Striche / Schrift:

Diese Schriftzeichen symbolisieren den Text. Dieser steht für immer wieder kehrende Verteidigungen, Gespräche, Erklärungen gegen gut gemeinte Ratschläge. Auch Anklage.

 

Basis:

Als Grundlage für diese Thematik dienen intensive Gespräche und Befragungen von Frauen und Männer zum Thema "Frauenbild". Studien dazu werden bei der Ausstellung veröffentlicht.


L

„L“ - so heißt das erste Bild meiner Serie „Ich bin.“  

Ich habe es nach dem Vorbild einer jungen Frau mit dem Anfangsbuchstaben „L“ gemalt. 
Diese Frau ist real. Ihre Gedanken sind real. Ihre Ohnmacht ist real. Eine starke Frau, die auf den ersten Blick zart und zerbrechlich aussieht – für Viele zu zart, zu dünn, zu klein, zu… wenig.
L ist es leid, sich immer wieder erklären zu müssen.

L sitzt in einer Blumenwiese. Sie hat mehr als zwei Arme, nicht nur um sich zu schützen, sondern auch um sich zu verstecken. Vor den Blicken der Anderen. Vor den Gedanken der Anderen. L bedeckt ihren Körper und hätte gerne noch mehr Arme. Ihr rotes Gewand - meine liebste, sinnlichste Farbe - symbolisiert die Stärke dieser Frau. 

L blickt dich eindringlich an und sagt: „Hör auf. - Ich bin satt.“ 

„Hör auf. Du musst mich nicht füttern. Ich bin satt. Ich habe euch satt. Ich bin genug. Hör auf mich zu füttern. Ich bin stark, doch du machst mich schwach. Klein. Unwichtig. Minderwertig. 
Hör auf. Ich beginne dich zu hassen, für das, was du an mir siehst. Ich verstecke mich, vor dir, vor allen anderen. Ich brauche Schutz, brauche mehr Hände. Brauche mehr. Immer mehr. Doch du nimmst nur, gibst mir das Falsche. Du machst mich schwach. Liebe mich. So wie ich bin. Liebe mich. Nimm mich, so wie ich bin. Fühle mich, so wie ich bin. Liebe mich - erlebe mich. Sieh mein Innerstes. So wie ich bin. Liebe mein ICH.“

"L" steht für alle Frauen, die „zu wenig“ oder „zu viel“ sind. Eben nicht der „Norm“ entsprechen. Ich als Künstlerin möchte damit diesen Frauen eine Stimme geben.


G

„G“ - so heißt das nächste Bild meiner Serie „Ich bin.“ 

 

*Ich male zurzeit wegen Corona in unserer Wohnung, statt im Atelier. Am Boden, an den Küchenschränken angeklebt... überall wo ein bisschen Platz ist. Ja, ein wenig eng für diese großen Werke... doch ich "muss" einfach malen... es geht nicht ohne.* 

 

Ich male dieses Bild nach dem Vorbild einer besonders starken Frau mit dem Anfangsbuchstaben „G“. Diese Frau ist real. Ihre Gedanken sind real. 

"G" – die Frau mit den Narben (Bilder in Arbeit)


„Hör auf, mich anzustarren!
Ich bin normal.“

Sie ist gezeichnet, hat gelitten und dennoch, oder gerade deshalb ist sie so unglaublich stark. Diese Frau steht mit geschlossenen Augen in einem blutroten Feld, friedvoll und in sich gekehrt. Berührt liebevoll ihre Narben. 
„G“ erinnert sich. Wie es war. Damals. Als sie ihre Narben verdeckte. Versteckte.

„Meine Arme haben viele Gelenke. Mehr als …normal. Je mehr, desto besser, umso besser kann ich mich schützen, meine Narben verstecken. Ich schließe meine Augen, sehe nichts, sehe dich nicht, und das, was du so sehr anstarrst. 
Ich habe Kindern das Leben geschenkt. Sieh mich an, sieh mich nicht an. Was starrst du an? Was siehst du an mir? Was siehst du in mir? Kannst du sie sehen? Kannst du MICH sehen?
Ja, ich bin gezeichnet. Genzeichnet für mein Leben. Gezeichnet vom Leben. Und wenn ich die Augen schließe, kannst du sie nicht sehen. Wie sie dich anstarren, blutend rot. Du siehst mich nicht. Siehst du meine Krone nicht? Wie sie glitzert und strahlt? Siehst du mich nicht? Nicht mein ICH?
Schließe auch du die Augen, erst dann wirst du mich sehen. Mein ICH. Fühle mich. Spüre mich. Lebe mich. Liebe mich. Liebe mich, so wie ich bin. So wie ich aussehe. Liebe das, was ich bin.
Ich bin glücklich. Ich bin.
Mein Kopf trägt eine goldene Krone. Stolz und aufrecht. Majestätisch. Und ja, ich stehe immer wieder auf. Egal wie viele Narben ich noch sammle – ich stehe immer wieder auf und lächle.“ 

"G" steht für alle Frauen, die mit äußeren und inneren Narben gezeichnet sind. Eben nicht der „Norm“ entsprechen. Ich als Künstlerin möchte damit diesen Frauen eine Stimme geben. <3 


E

„E“ - so heißt ein weiteres Bild meiner Serie „Ich bin.“  

 

Ich habe es nach dem Vorbild einer jungen Frau mit dem Anfangsbuchstaben „E“ gemalt. 
Diese Frau ist real. Ihre Gedanken sind real. Eine starke Frau, die Blicke auf sich zieht. Immer wieder. Die… „krank“ ist? Die, die keine Haare auf dem Kopf hat… 
Doch „die“ hat einen Namen: „E“. 

 

E lacht in diesem unbeschwerten Moment. 

„Hör auf, mich zu bemitleiden!
Ich bin glücklich.“

 

Ich als Künstlerin habe dieses Acrylbild „verschoben“ gemalt, als würde es aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden. Ver-rückt. Ich mag verrückt! Nur wenige Milimeter zur Seite gerrückt, und schon hat alles ein anderes Gesicht. Das Licht fällt anders, die Stimmung verändert sich. Ich fühle mich anders. Ich „sehe“ anders.


Mir gefällt es, Menschen aus verschiedenen Seiten zu betrachten, ich entdecke Details die mir auf den ersten Blick verborgen blieben, die mich überraschen, beigeistern oder auch ängstigen. Es liegt alleine an mir, aus welchem Blickwinkel ich „E“ ansehen möchte. Wie ich „E“ begegne, was ich in dieser Frau sehe. 

 

"E" steht für alle Frauen, die „anders“ aussehen. Eben nicht der „Norm“ entsprechen. Ich als Künstlerin möchte damit diesen Frauen eine Stimme geben. 


J

„J“ - so heißt ein weiteres Bild meiner Serie „Ich bin.“  

 

Acryl auf Leinen, 90 x 70 cm

 

„Ich bin alt. Na und?“ 

 

 

 

Schon das Telefonat mit Johanna war einzigartig und bezaubernd. Schon der Stimme nach schätzte ich sie auf 80 Jahre oder mehr. Wie alt sie wirklich ist, habe ich sie nie gefragt. 

Sie hatte von mir im Internet gelesen. Ich musste schmunzeln. So stolz war sie, als sie das sagte. Im Internet. 

 

Sie bat mich, sie zu „zeichnen“. Sie möchte in Erinnerung bleiben. Genauso, wie sie jetzt ist. „Ich möchte etwas mit diesem Bild weitergeben“, meinte sie am Telefon leise.

 

Das macht mich als Künstlerin natürlich neugierig.

 

Ein unscheinbares, altes Häuschen, das schon bessere Tage gesehen hat. Der Verputz blättert ab. Ich läute an. Ich erwartete eine langsame alte Frau - und lerne einen wahnsinnig lebensfrohen, klugen, humorvollen Menschen kennen.

Hunderte Eindrücke strömen in mich ein. Die Wärme der kleinen Schwedenofens, der Duft nach Holz, Seife und Äpfeln, glänzende Möbel, sorgfältige Ordnung.

 

Nach einem kurzen Kennenlernen fängt Johanna an zu erzählen.

„Ich hab‘ den Krieg miterlebt“, erzählt sie mit glasigen Augen, „den Vater und zwei Brüder verloren… gehungert und mich im Dreck verkrochen, als die Flieger unsere Hütte bombardierten.“

Sie erzählt weiter, über ihre große Liebe und über den, den sie geheiratet hat. Über ihre fünf Kinder und ihre Enkel. Sie erzählt von Politik, Haltungen, Werten, von guten und nicht so guten Menschen.

 

„Wissen’s, die Pandemie interessiert mich nicht. Risikogruppe oder nicht, ich hab‘ mein Leben gelebt. Ich will mich nicht mehr verkriechen müssen, in den paar Jahren, die mir noch bleiben.“

Ein Satz, den sie mehrmals sagt, bleibt bei mir ganz besonders hängen: „Urteile nie zu schnell, es gibt immer mehrere Seiten.“

 

Nach fast vier Stunden wird Johanna ruhig. Ich beginne, sie zu skizzieren, sie zu fotografieren. Das gefällt ihr, frech lacht sie in die Kamera. Plötzlich zeigt sie mir den Mittelfinger und meinte: „Kindchen, ich kann nicht so lange stillsitzen, ich habe noch viel vor!“

Wir mussten beide lange lachen – das war ein schöner Moment!

Ich gehe bereichert und glücklich.

„Bitte, kein normales, braves Portrait.“, meinte sie leise zum Abschied und drückt dabei fest meine Hand. 

 

Mir war sofort klar - das Portrait dieser wundervollen Frau soll etwas ganz Besonderes werden. Es soll in seinen Bann ziehen und auch ein wenig provozieren.

Ich musste sie aus verschiedenen Blickwinkeln malen. Johanna kann man nicht nur von einer Seite sehen, sie hat in keiner Schublade Platz. 

Ich habe diese alte Frau so gemalt, wie sie ist. Gütig, frech und weise - mit ihren unzähligen Falten, auf die sie so stolz ist. Erzählt doch jede einzelne eine Geschichte. 

 

Ich bewundere diese Frau, die so viel erlebt hat und nicht müde wird, immer weitermachen zu wollen. Ich bewundere ihre Energie. Ihrem Mut. Ihren Willen.

Beim Malen dachte ich oft daran, wie wir mit den Alten umgehen.

Und ich war schockiert, mich selbst dabei zu ertappen, das Wort „alt“ als negativ zu sehen.

„Jugend ist keine Leistung.“ hat Johanna einmal gesagt. „Alter eh auch nicht“ hat sie dann schmunzelnd nachgelegt.

Mir fielen Völker ein, spirituelle Völker, die den Wert und die Weisheit der Alten erkennen, schätzen und nutzen und sie nicht nur nach ihrer Bedeutung auf dem Arbeitsmarkt klassifizieren.

 

Nach einigen Wochen zeigte ich Johanna K. ihr Bild. Wie immer war ich als Künstlerin extrem angespannt… gefällt es? Geht es vielleicht doch zu weit? Versteht es der Betrachter? 

Als Johanna dieses Portrait, ihr Bild sah, hat sie nur tief durchgeatmet und stolz gelächelt. Sie sagte kein Wort, drückte mich und begann zu weinen.

Das wohl schönste Kompliment für mich als Künstlerin.


***Spider***

Acryl auf Leinen, 70 x 60 cm      - VERKAUFT  -  

 

Meine persönliche Therapiearbeit

 

Dieses Bild war sozusagen meine "Therapiearbeit", da ich mich vor Spinnen... fürchte.

...und dieses Bild soll eine Hommage sein, an alle Spinnen, die ja eigentlich nichts dafür können, dass sie so sind, wie sie eben sind.

Hat das Malen etwas gebracht? 

Nicht wirklich - naja, ein wenig vielleicht... ich hatte zumindest den Mut, diese Spinne zu malen!!  

 

Im Nachhinein betrachtet finde ich es unglaublich, dass ICH tatsächlich eine Spinne gemalt habe. Noch dazu mit Details!! Normalerweise falle ich schon in Ohnmacht, wenn ich nur etwas sehe, das den Umrissen einer Spinne ähnlich ist... wie ein Haarknäuel oder Pflanzen...

Warum das so ist?

Es war damals... als ich ein liebes kleines Mädchen war... so um die acht Jahre, schätze ich. Wir waren, wie vermutlich alle Kinder damals, den ganzen Tag im Freien. Im Garten, im Wald, auf der Straße. Mit den Geschwistern und Nachbarskindern. Von Erwachsenen keine Spur - und schön war es!

Bis an einem warmen Sommertag... ich hatte mein Lieblingskleid an, sonnengelb mit zarten Blümchen darauf. Natürlich gebraucht - doch das war mir egal, ich sah wunderschön aus, wie eine Prinzessin! 

 

In unserem Garten hingen oft zwischen den alten Obstbäumen große Spinnennetze. Kreuzspinnen. Wenn ich an den Bäumen vorbeiging, hielt ich immer einen Arm nach vorne gestreckt, vor meinen Kopf. Als Schutzschild, falls ich mal ein Netz übersehe. Funktionierte immer super!

 

Doch an diesem schönen Sommertag passierte es, dass ein Freund meines großen Bruders, diese Spinnen aus dem Netz sammelte und mir nachlief...

Ich rannte und rannte, schreiend - doch ich war nicht schnell genug und stolperte. Er warf die Spinnen auf mich. Und lachte.

Ich hatte die Tiere in meinen langen Haaren, auf meinem schönen gelben Kleid... das war sooo schrecklich für mich! 

...es ist schon eigenartig, ich weiß, dass diese Tiere auch vor mir Angst haben... doch das beruhigt mich wenig - wir werden wohl nie Freunde werden. Doch ich respektiere diese Tiere und bewundere ihre einzigartigen Netze - welch großartige Kunst!


Wie meine Bilder entstehen:

Wenn ich ein Bild male, habe ich es bereits seit Wochen im Kopf. Ich wache nachts auf und male in Gedanken… ich sehe fern und male. Ich gehe einkaufen und es entstehen bunte Bilder in meinem Kopf. Das ist herrlich!

In meinen Gedanken entsteht so mein Kunstwerk, Schritt für Schritt.

Ich fühle bereits das Leinen und rieche die Farben. Ich freue mich darauf es real werden zu lassen, zögere diesen Prozess immer ein wenig hinaus, denn diese Vorfreude ist immer ein besonderes Erlebnis – es gibt keine Grenzen!

 

Dann ist es soweit. 

Ich bin gut darin, alles fürs Malen vorzubereiten. Es ist alles durchdacht und wird routiniert ausgeführt: Das Leinen abmessen und zuschneiden. Achtsam am Boden aufbereiten, exakt den Bodendielen entlang. Parallel natürlich. Nichts darf dem Zufall überlassen werden. Dafür ist es mir zu wichtig! Ich entferne sorgsam jeden noch so kleinen Fussel und streiche den Stoff glatt. Die Farbtuben farbig sortiert nebeneinander aufgereiht. Frisches, sauberes Wasser einfüllen – nicht zu viel und nicht zu wenig. Passt es nicht, gieße ich damit die Pflanzen. Das geht manchmal einige male so. Und die Pinsel lege ich exakt nebeneinander auf ein Küchentuch, natürlich der Größe nach. Und mein Maltuch, das mich schon viele Jahre begleitet - es saugt kaum noch Flüssigkeit auf, hat also seine Wirksamkeit längst verloren… doch ich mag es einfach - lege ich sorgsam gefaltet bereit.

 

Und so beginnt es. Ich stehe nun vor diesem unschuldigen unbefleckten Leinen und habe Ehrfurcht. Angst vor dem ersten, unwiderruflichen Strich. Dieses Gefühl kann sich über Stunden hinauszögern. Ich gehe auf jede Seite, ändere den Blickwinkel, betrachte das unschuldige Weiß, schließe die Augen und sehe das fertige Bild im Kopf. Mein Bild, das ich schon so lange mit mir herumtrage. Ich spüre es, lächle und freue mich. Es darf jetzt beginnen.

Doch dann öffne ich die Augen und beginne zu zweifeln. Es ist immer das gleiche:

Erst jetzt merke ich, dass mich diese von mir selbst erschaffene perfekte Ordnung meiner Farben und Pinsel blockiert. Ein irrer Perfektionismus, der mir Sicherheit vorgaukelt. Jetzt macht es mir Angst - diese unschuldige Reinheit des Leinenstoffes. Die parallel liegenden Pinsel. Alles muss korrekt sein. Dieser penible Perfektionismus. Alles muss. Muss. Ich darf nicht denken! Denn das ist schrecklich und behindert meine Kreativität. Ich muss raus aus diesem Irrsinn und diese Gedanken loslassen.

 

Ich wandere rastlos umher, werde langsam ruhiger, atme und fühle. Und so beginne ich nach und nach Chaos in mein Umfeld zu bringen. Gutes Chaos. Ich liebe dieses Chaos, mein eigenes Chaos, meine unvernünftige Unordnung - es befreit mich. Jetzt bin ich. Jetzt kann ich malen.

 

Jetzt liegen Farben, Pinsel, ja sogar Möbel kreuz und quer, ich muss über dieses und jenes steigen, um frisches Wasser zu holen… Skizzen flattern umher, überall Maltücher, Farbmuster, Malstifte, alte Bilder, Trinkwasser... ich suche immer wieder nach Farben, weil mein Chaos diese verschluckt – ist das nicht herrlich? Oh ja! Nur mein Kunstwerk zählt. Jetzt.

Die Zeit ist unwichtig. Es ist egal, ob es Tag oder Nacht ist. Ich bin voller Farbe, vergesse zu essen und verschmelze mit meinem Kunstwerk. Es ist egal, dass mein Chaos tagelang stehen bleibt. Alles rundherum ist egal. Nur mein Kunstwerk zählt. Einsam und grenzenlos.

 

Es beginnt. Ich male. Euphorie. Ich liebe das Malen, mein Ausdruck des Seins! Ich liebe mich.

Ich bin in meiner eigenen Welt, das ist phantastisch. Und es ist auch verrückt - beim Malen entsteht eine Melodie… jeder einzelne Farbton klingt in meinem Inneren. Ich höre es nicht durch meine Ohren, nein - die Töne sind in mir. Ein sinnlicher tiefer Ton, der mich wärmt und beschützt für mein Rot, voller Güte und Energie. Dann ein frischer etwas höherer Ton, wie morgendlicher Vogelgesang für das Gold... Ich schwimme in einer teils disharmonischen Welle von Farbe und Gefühl. Es entsteht eine Gesamtkomposition, die mich beim Malen begleitet. So träume ich malend dahin.

 

Ich höre nie Musik, wenn ich male. Denn ich habe die Melodie bereits im Kopf. Meine Melodie. Die einzigartige Melodie dieses Bild. Ich bin dankbar für diesen Begleiter meiner Einsamkeit.

 

Dann kommt es, die kritische Phase:

Mein Kunstwerk ist beinahe fertig. Doch dann, und dieser Moment kommt immer – zweifle ich plötzlich. Ich weiß nicht warum. Ich kann es nicht mehr sehen, was ich geschaffen habe und beginne plötzlich „klug“ zu denken. Ich denke, ich könnte doch dies oder das, oder doch lieber, oder wenn ich vielleicht, und dann muss ich…

Ich hasse diese Phase und bin kurz davor alles zu vernichten. Bin höchst deprimiert. Beginne an mir zu zweifeln. An allem zu zweifeln. Bin müde und hungrig. Ich sitze da und mir ist kalt.

Ich betrachte mein Bild.

Lange.

Ich fühle mich verlassen, niemand kann mir jetzt helfen.

Obwohl ich übermüdet bin, kann… ja darf ich nicht schlafen - nicht jetzt. Ich kann mein Kunstwerk nicht alleine lassen. Nicht in dieser Phase. Was, wenn ich im Schlaf sterbe und jemand sieht dieses unvollendete Bild?

Mein zuvor geliebtes Chaos wird bedrohlich größer. "Klar, niemand kann in so einem Chaos malen. Das ist so schlecht, schade um das Material! Wieviel Zeit ich damit vergeude!" Ich denke und denke...

 

Und wüsste ich nicht, dass es immer so kommt, wenn ich male, würde ich jetzt aufgeben. Mich alleine mit Kuchen, Schokolade und Wein in den Schlaf weinen. Mich selbst bemitleiden. Erbärmlich.

Doch – zum Glück - ich weiß es. Ich weiß, dass nur eine Nuance fehlt. Ein oder zwei Pinselstriche, ein anderer Farbton – irgendetwas, dass das Bild zu Meinem werden lässt. Lebendig werden lässt. Etwas, das so klein sein kann, dass es vermutlich niemand außer mir bemerkt.

 

Ich schließe die Augen, entferne mich von allem. Zeitlos.

Und dann geschieht es, es ist plötzlich da! Wie hypnotisiert tu ich es, ich male. Ich tu es von ganz alleine, ohne zu denken. Dieser Prozess kann drei Minuten oder Tage dauern. Dieser letzte Schritt vollendet das, was ich mir zuvor erfühlt habe.

Und dann weiß ich es. Es ist fertig. Und ich liebe es. Denn jetzt ist es nicht so, wie ich es mir im Kopf ausgemalt habe, nein, jetzt ist es lebendig und spricht. Ich liebe diesen Moment!

 

Es dauert sehr lange, bis ich mein geliebtes Chaos wieder weggeräumt habe. Alles schön ordentlich verstaut. Brav. Die Farben weggewischt und das wunderbar bunte Wasser entleert, ich sehe ihm nach, wie es langsam kräuselnd im Abfluss verschwindet. Das macht mich ein wenig traurig. Es kommt mir fast sträflich vor, diese wunderbaren Zeichen/Zeugen dieser Geburt zu entfernen. Diesen Teil des Malens mag ich überhaupt nicht, denn es zeigt, dass es aus ist. Dass ich jetzt wieder „ordentlich“ denken muss… funktionieren muss… vernünftig sein muss…

 

Ja, die Welt hat mich wieder, und mein Bild hängt jetzt an einer schönen weißen Wand in sauberer geordneter Umgebung. Ich muss mich erst daran gewöhnen, es so zu sehen – ohne mein geschätztes Chaos, das mein Kunstwerk einst so liebevoll beschützte.

Wir fremdeln ein wenig.

Und bald gehört es allen die es sehen. Es ist dann nicht mehr „mein“ Bild – es ist dann „unseres“, denn meine Begabung gehört nicht mir allein.

 

Erst jetzt darf es jemand sehen. Nicht irgendjemand. Jemand, der um meinen Prozess weiß. Jemand, der mich versteht und fühlen kann, wie es mir ergangen ist. Jemand, der um die künstlerische Einsamkeit weiß. Jemand, der mir den Schrecken der Größe nahm, mich inspiriert und an mich glaubt. Es ist ein gutes Gefühl, etwas Besonderes geschaffen zu haben.

Etwas, dass Menschen berührt. <3


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